Hand aufs Herz: Wann haben Sie zum letzten Mal in Ihr QM-Handbuch geschaut?
Und Ihre Mitarbeitenden? Eben.
In vielen Unternehmen existiert die Prozessdokumentation genau zweimal. Einmal als Ordner im Regal oder als PDF auf dem Server. Und einmal in den Köpfen der Mitarbeitenden, in der Version, wie wirklich gearbeitet wird. Diese beiden Versionen haben oft erstaunlich wenig miteinander zu tun.
Warum Dokumentation scheitert
Der häufigste Grund: Sie wurde für die falschen Leser geschrieben.
Viele Prozessbeschreibungen entstehen für ein Audit oder eine Zertifizierung. Sie sollen einem externen Prüfer gefallen, nicht den Menschen, die den Prozess täglich ausführen. Das Ergebnis sind seitenlange Dokumente in Behördendeutsch, die formal korrekt und praktisch nutzlos sind.
Dazu kommt: Dokumentation veraltet. Der Prozess ändert sich, das Dokument bleibt stehen. Nach zwei Jahren weiss jeder im Team, dass die Beschreibung nicht mehr stimmt. Ab diesem Moment ist die gesamte Dokumentation unglaubwürdig, auch die Teile, die noch aktuell wären.
Warum sie trotzdem entscheidend ist
Vielleicht denken Sie jetzt: Dann lassen wir es halt. Das wäre der zweite Fehler.
Ohne dokumentierte Prozesse steckt das Wissen Ihres Unternehmens ausschliesslich in Köpfen. Was das bedeutet, merken Sie in drei Situationen, und zwar jedes Mal schmerzhaft:
Wenn jemand geht. Mit jeder Kündigung und jeder Pensionierung verlässt ein Stück Unternehmen die Firma. Unwiederbringlich.
Wenn jemand Neues anfängt. Ohne Dokumentation dauert die Einarbeitung doppelt so lange und hängt komplett davon ab, wer gerade Zeit für die neue Person hat.
Wenn Sie wachsen oder verbessern wollen. Was nicht beschrieben ist, kann nicht verglichen, delegiert oder optimiert werden. Sie diskutieren dann über Meinungen statt über Abläufe.
Wie gute Prozessdokumentation aussieht
Die gute Nachricht: Brauchbare Dokumentation ist viel einfacher als das, was in den meisten QM-Ordnern steht.
Vier Grundsätze aus meiner Beratungspraxis:
1. Für die Nutzer und mit dem Nutzer schreiben, nicht für den Auditor. Die Person, die den Prozess morgen zum ersten Mal ausführt, muss ihn verstehen. Das ist der einzige Massstab. Nehmen Sie den Nutzer direkt mit ins Boot bei der Erstellung der Prozessdokumentation. Betroffene sind Beteiligte!
2. So kurz wie möglich. Eine halbe Seite, die gelesen wird, schlägt zehn Seiten, die niemand öffnet. Ein einfaches Ablaufdiagramm sagt oft mehr als drei Absätze Text.
3. Dort verfügbar, wo gearbeitet wird. Eine Anleitung nützt nichts, wenn sie drei Klicks und zwei Ordnerebenen entfernt liegt. An der Maschine, im Werkzeug, direkt im System: dort gehört sie hin.
4. Mit Verantwortlichem und Verfallsdatum. Jedes Dokument braucht eine Person, die es aktuell hält, und einen festen Rhythmus zur Überprüfung. Sonst beginnt das Veralten am Tag der Erstellung.
Der einfachste Einstieg
Fangen Sie nicht mit dem Handbuch an. Fangen Sie mit einem einzigen Prozess an, bei dem es regelmässig klemmt oder bei dem das Wissen an einer einzigen Person hängt.
Setzen Sie sich mit den Beteiligten zusammen und beschreiben Sie gemeinsam, wie der Ablauf tatsächlich funktioniert. Nicht wie er auf dem Papier stehen sollte. Genau diese Diskussion ist übrigens oft wertvoller als das fertige Dokument: Spätestens hier merken Sie, dass drei Personen denselben Prozess auf drei Arten ausführen.
Was nützt Ihnen ein übergeordneter Prozess in High Level im täglichen Business? Herzlich wenig. Starten Sie pragmatisch und einfach. Sorgen Sie dafür, dass die Mitarbeiter schnell sehen, dass sich die Arbeit mit Prozessen lohnt und Standards durchaus Sinn machen. In unserer Beratungspraxis gehen wir daher auch rasch von der übergeordneten Prozesslandkarte in die einzelnen Prozesse rein und erarbeiten diese zusammen mit dem Team, das tatsächlich in dem Prozess arbeitet.
Fazit
Niemand liest QM-Handbücher, und das ist in Ordnung. Gute Prozessdokumentation ist kein Handbuch. Sie ist kurz, aktuell, am Arbeitsplatz verfügbar und für die Menschen geschrieben, die damit arbeiten. So wird sie vom Pflichtdokument zum Werkzeug: für stabile Qualität, schnellere Einarbeitung und ein Unternehmen, das nicht in Einzelköpfen gefangen ist.
Hängt bei Ihnen zu viel Wissen an zu wenigen Köpfen?
Ich unterstütze KMU dabei, ihre Kernprozesse so zu dokumentieren, dass die Dokumente im Alltag wirklich genutzt werden. Pragmatisch, schlank und gemeinsam mit Ihrem Team.
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