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Prozessmanagement

Welchen Prozess zuerst automatisieren? Drei Kriterien für die richtige Wahl

Dr. Katja Maurer 24. September 2026 3 Min. Lesezeit

«Wir sollten mehr automatisieren.» Diesen Satz unterschreibt heute fast jede Geschäftsleitung. Aber auf die Anschlussfrage wird es meistens still: Womit genau anfangen?

Die Antwort entscheidet über mehr, als man denkt. Das erste Automatisierungsprojekt prägt, wie Ihr Team über das Thema denkt. Gelingt es, entsteht Rückenwind für alles Weitere. Scheitert es, heisst es jahrelang: «Haben wir probiert, funktioniert bei uns nicht.»

Vorab: Was gar nicht zur Auswahl steht

Bevor wir zu den Kriterien kommen, die wichtigste Regel: Automatisieren Sie keinen Prozess, der nicht stabil läuft. Stabil bedeutet, der Prozess bringt das korrekte Ergebnis hervor, immer wieder und zwar unabhängig davon, welche Person damit arbeitet. Software macht einen unklaren Ablauf nicht besser, sondern nur schneller schlecht. Wenn heute drei Personen denselben Vorgang auf drei Arten erledigen, ist der erste Schritt nicht die Automatisierung, sondern die Klärung des Ablaufs und Schaffung eines Standards.

Erst diagnostizieren, ggf. standardisieren und dann automatisieren. Immer in dieser Reihenfolge.

Welche Prozesse eignen sich für die Automatisierung?

Kriterium 1: Häufig und repetitiv

Der ideale Erstkandidat kommt oft vor und läuft jedes Mal ähnlich ab. Eine Aufgabe, die zehnmal am Tag anfällt und pro Durchgang fünf Minuten Handarbeit kostet, bringt automatisiert mehr als ein komplexer Sonderfall, der zweimal im Jahr auftritt.

Typische Kandidaten in KMU: Daten von einem System ins andere übertragen, Auftragsbestätigungen verschicken, Rechnungsdaten erfassen, wiederkehrende Berichte zusammenstellen, Termine und Erinnerungen verwalten.

Ein einfacher Test: Wenn Mitarbeitende die Aufgabe «stumpf» nennen, ist das ein gutes Zeichen. Stumpfe Arbeit ist automatisierbare Arbeit, und niemand wird ihr nachtrauern.

Kriterium 2: Regelbasiert entscheidbar

Automatisierung braucht klare Wenn-dann-Logik. Fragen Sie: Könnte ich einer neuen Aushilfe in einer Stunde beibringen, wie diese Aufgabe zu erledigen ist, mit einer einfachen Regelliste? Dann eignet sie sich.

Braucht die Aufgabe dagegen Urteilsvermögen, Fingerspitzengefühl oder Verhandlung, gehört sie in menschliche Hände. Der verärgerte Kunde am Telefon ist kein Automatisierungskandidat. Die Bestätigungsmail nach seiner Bestellung schon.

Kriterium 3: Messbarer Schmerz

Wählen Sie einen Prozess, dessen Verbesserung man spürt und belegen kann: eingesparte Stunden pro Woche, weniger Erfassungsfehler, schnellere Durchlaufzeit. Das erste Projekt muss seinen Nutzen beweisen können.

Messen Sie dafür vorher den Ist-Zustand. Wer nicht weiss, wie viel Zeit die manuelle Variante kostet, kann den Gewinn nachher nicht zeigen. Seien Sie pragmatisch, ein paar Wochen ehrliche Strichliste genügen oft schon.

So sieht die Auswahl konkret aus

Sammeln Sie mit Ihrem Team eine Liste der zehn nervigsten Routineaufgaben. Bewerten Sie jede nach den drei Kriterien: Wie oft kommt sie vor? Wie regelbasiert ist sie? Wie gut lässt sich der Nutzen messen?

Meistens kristallisieren sich zwei, drei Kandidaten heraus. Nehmen Sie davon den kleinsten mit dem klarsten Nutzen. Nicht den grössten. Das erste Projekt soll in Wochen Ergebnisse zeigen, nicht in Quartalen. Skalieren können Sie danach immer noch, mit einem Team, das inzwischen an den Nutzen glaubt, weil es ihn erlebt hat.

Fazit

Die Frage «Womit anfangen?» hat eine erstaunlich klare Antwort: mit einem stabilen, häufigen, regelbasierten Prozess, dessen Verbesserung messbar ist und bewusst mit einem kleinen. Automatisierung ist kein Grossprojekt, das man einmal stemmt. Sie ist eine Fähigkeit, die ein Unternehmen Schritt für Schritt aufbaut.

Welche Ihrer Routineaufgaben frisst am meisten Zeit?

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